Große Erpeler Karnevalsgesellschaft 1904 e.V.

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Rathaus in Erpel

Jecke kommen durch die Hintertür

ERPEL.  Sie sind nicht mehr aufzuhalten: Nach Kasbach-Ohlenberg ist Erpel seit Sonntagmittag die zweite Gemeinde im nördlichen Kreis Neuwied, die fest in der Hand der Narren ist.

Beschreibung: Hier ist er: Stolz reckt Prinzessin Christiane I. den Rathausschlüssel in die Höhe. Cilly Adenauer kann nur zuschauen.
							Foto: Frank Homann

Hier ist er: Stolz reckt Prinzessin Christiane I. den Rathausschlüssel in die Höhe. Cilly Adenauer kann nur zuschauen.

Foto: Frank Homann

Trotz eines Bombardements mit schweren "Basaltbrocken", die Bürgermeisterin Cilly Adenauer und ihre drei Beigeordneten auf die Mannen um den Vorsitzenden der Großen Erpeler Karnevalsgesellschaft (GEK), Uwe Kochems, vom Rathausbalkon und aus drei Fenstern niederprasseln ließen, gelang es den Stadtsoldaten, die Ortschefin zu entmachten und Prinzessin Christiane I. mit der Schlüsselübergabe auch als kommunale Regentin zu inthronisieren.

Absolution für die närrische Revolte hatte den Truppen der Großen Erpeler KG wie in den Vorjahren Pfarrer Günter Lülsdorf kurz zuvor in Sankt Severinus während der Kölsche Mess erteilt. Diese wurde vom Tambourcorps, das auf der Empore aufmarschiert war, musikalisch gestaltet. "Trecke mer an einem Strang met dem Herrjott all zesamme! Nur nit möd sing un nit bang, nit mettrick soll sich schamme", hatte die Gemeinde im Schlusslied gesungen.

Vor der Kirche versammelten sich die Karnevalisten, um die Tollität mit ihrem Gefolge zum Zug durch das Dorf abzuholen. Dann ließ Kochems die Stadtsoldaten vor dem Ratshaus Stellung beziehen, in dem sich neben dem Schratte-Völkche auch die "Alt-Erpillaner" verkrochen hatten.

"Gib den Schlüssel raus. Du hast den Karren lang genug in den Mist gefahren", mahnte der GEKG-Vorsitzende Adenauer lautstark. Die aber versuchte es zunächst mit Diplomatie. "Wenn Ihr uns in Ruhe lasst, bekommt Ihr das Beste was der Ort zu bieten hat: Die legendären Brückentürme", so ihr Angebot.

Als das, angesichts der immensen Sanierungskosten höhnisch abgelehnt wurde, stockte sie ihren Bestechungsversuch sogar noch um die Flutbrücke auf, seit Jahrzehnten ein Problem-Dauerbrenner zwischen der Alten und Freien Herrlichkeit und vor allem der Stadt Unkel. Statt solch wenig attraktive Angebote zu machen, hätte Adenauer besser nicht nur das Haupttor des Rathauses verrammelt.

Über den Gemeinderaum drang Kochems ins Innere vor und entriegelt von dort aus die Rathaustür. Angesichts der staatsen Kääls, die über die Treppe zum Ratssaal vordrangen, brachten sich die Beigeordneten schnell in Sicherheit und überließen Adenauer ihrem Schicksal.

"So richtig traurig bin ich eigentlich nicht, hier nix mehr zu sagen zu haben. Nur schade, dass diese herrlich sorgenlose Zeit bislang immer nur zehn Tage angehalten hat", bedauerte die entmachtete Ortschefin. Als vorerst letzte Amtshandlung lud sie die Prinzessin ein, sich in das Goldene Buch des Ortes einzutragen.